Größter Streik auf den Baustellen der WM 2010
Letzte Änderung am Freitag, 10 Juli 2009 02:21 Erstellt von admin Freitag, 10 Juli 2009 02:19
Am Mittwoch legten Bauarbeiter in den fünf Stadion-Neubauten die Arbeit nieder. 70.000 Arbeitnehmer streiken für Lohnerhöhungen von rund 13 Prozent streiken. Die Fifa und das Organisationskomitee der WM 2010 versuchen, gelassen zu bleiben. Dabei gefährdet jeder verlorene Tag den Zeitplan.
Die Dienstreise muss Jacob Zuma wie ein Kururlaub vorkommen. Bis Freitag nimmt der südafrikanische Präsident am G8-Gipfel im italienischen Abruzzenort L’Aquila teil, wo er zum ersten Mal die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel treffen wird. In der bewusst spartanischen Atmosphäre, mit der Italien den Fokus auf das Erdbebengebiet legen will, wirken die Probleme daheim weit entfernt.
Denn ausgerechnet während der bisher wichtigsten Dienstreise Zumas sieht sich seine erst vor wenigen Wochen gebildete Regierung ihrer bislang größten Bewährungsprobe ausgesetzt. Dem Land droht eine der größten Streikwellen seit dem Ende der Apartheid im Jahr 1994.
Am Mittwoch legten Bauarbeiter in fünf Stadionbaustellen für die WM 2010 ihre Arbeit nieder. Ebenfalls betroffen sind einige Infrastrukturprojekte, die mit der WM-Vorbereitung in Verbindung stehen. Insgesamt wollen 70.000 Arbeitnehmer der Baubranche für Lohnerhöhungen von rund 13 Prozent streiken. Die Arbeitgeberseite bietet 10,4 Prozent – doch wegen zusätzlich geforderten Bonuszahlungen und Sozialleistungen liegen beide Seiten um Welten auseinander. Der Streik werde „bis 2011“ weitergehen, drohte die zuständige Vertretung der Minenarbeiter. „Die Firmen brauchen keine Gnade von uns zu erwarten“, drohte ihr Sprecher Bhekani Ngcobo mit der Blockade von 35 WM-relevanten Baustellen.
Die letzten Wochen haben den Druck auf Zumas Regierungspartei African National Congress (ANC) steigen lassen. Vor den Bauarbeitern gingen Busfahrer, Ärzte und Arbeitnehmer des öffentlichen Dienstes in den Streik. Mit den Spielstätten der WM 2010, deren rechtzeitige Fertigstellung für Südafrika ein ungeheuer wichtiges Signal für Investoren ist, haben die Gewerkschaften nun zu ihrer stärksten Waffe gegriffen.
Selbst wenige Tage Verzögerung gefährden den ohnehin schwer einzuhaltenden offiziellen Übergabetermin der zehn WM-Stadien an die Fifa: Der war ursprünglich für den 15. Oktober geplant, Zielsetzung ist nun Ende des Jahres: am 14. Dezember. Zumindest das Stadion von Kapstadt wird dieses Datum Medienberichten zufolge überschreiten. Fünf Stadien werden für die WM erweitert und renoviert, wovon vier bereits fertig sind. Fünf Stadien werden komplett neu gebaut. Das in Port Elizabeth ist bereits vor einigen Wochen eröffnet worden, die anderen sind nach Angaben der Betreiber zu 70 bis 90 Prozent fertig gestellt.
Die Fifa übte sich am Mittwoch in Gelassenheit. „Wir erwarten, dass alle Stadion Ende des Dezember voll funktionsfähig sein werden“, teilte sie über einen Sprecher mit. Und auch Danny Jordaan, Chef des Lokalen Organisationskomitees (LOC), stimmte diplomatische Töne an: „Wir glauben, dass der Streik so schnell wie möglich gelöst werde und bleiben zuversichtlich, den Zeitplan einzuhalten.“ Das LOC respektiere das „in der Verfassung verankerte Recht“ zu streiken. Die Bauarbeiter seien das „Lebenselixier“ der WM 2010.
Doch die Gewerkschaften ignorieren die Bitten von Präsident Zuma um Zurückhaltung angesichts der ersten südafrikanischen Rezession seit 17 Jahren. Denn es geht um Grundsätzliches: Ungeduldig registrieren neben den Arbeitnehmervertretungen auch die kommunistische Partei Südafrikas (SACP) und die ANC-Jugendorganisation dass ihre Un-terstützung des 67-Jährigen auf dem Weg zur Präsidentschaft bislang nicht in dem erhofften Linksruck mündete.
In seinem Kabinett berücksichtigte Zuma den SACP-Vorsitzenden Blade Nzimande lediglich mit einem Ministerposten im Bildungsministerium. Vehement wehrte sich der ANC auch gegen Forderungen, den kriselnden Minensektor zu verstaatlichen. „Die aktuellen Spannungen werden die Beziehungen zwischen Zuma und den Gewerkschaften beeinflussen“, sagt der politische Analyst Steven Friedman. Zuma habe sich ebenfalls „mehr Unterstützung“ erhofft.
Ungewohnt unwirsch hatte der Politiker beim „Weltwirtschaftsforum Afrika“ in Kapstadt Anfang Juni festgestellt, dass die Gewerkschaften „mehr Möglichkeiten für mehr Streiks“ suchen würden.