Löw: «Es wird schon zu viel von Moskau gesprochen»

Letzte Änderung am Freitag, 10 Juli 2009 02:21 erstellt von admin Freitag, 10 Juli 2009 02:21

München (dpa) – Bundestrainer Joachim Löw will sich mit der deutschen Fußball-Nationalmannschaft unbedingt direkt für die WM in Südafrika qualifizieren. Die zwei K.o.-Spiele in der Relegation der Gruppen-Zweiten «hätten einen hohen Stressfaktor für alle», warnte Löw im Interview mit der Deutschen Presse-Agentur dpa.

Über eine Vertragsverlängerung will der 49-Jährige mit dem DFB erst nach einer erfolgreichen WM-Qualifikation verhandeln. Kapitän Michael Ballack bleibt in der WM-Saison sein Chef im Team, U 21-Europameister Sami Khedira vom VfB Stuttgart steht vor dem Sprung in die A-Mannschaft. Von Torjäger Mario Gomez erwartet der Bundestrainer, dass er sich beim FC Bayern München «durchsetzen wird».

Schon bald startet die WM-Saison und damit der Endspurt um die WM- Tickets. Läuft alles auf ein Endspiel um Platz eins in der Gruppe zwischen Russland und Deutschland am 10. Oktober hinaus?

Löw: «Es wird mir schon zu viel von Moskau gesprochen. Wir haben vorher noch zwei wichtige Spiele gegen Aserbaidschan, und da dürfen wir keine Punkte mehr verlieren. Zunächst kommt das Auswärtsspiel in Baku, das findet am Anfang der Bundesliga-Saison statt, also wenn die Spieler noch nicht im Rhythmus sind. Zudem wird es dort sehr warm sein und es gibt eine lange Anreise – das Spiel wird schwierig genug. Darauf müssen wir uns konzentrieren. Russland kommt erst im Oktober.»

Wann beginnen Sie mit den Planungen?

Löw: «Ende Juli kommt das Trainerteam für zwei, drei Tage zusammen, um alle Vorbereitungen zu treffen. Schon nach dem DFB-Pokal- Wochenende Anfang August muss ich den Kader für Aserbaidschan benennen. Wir werden versuchen, den einen oder anderen Verein auch in der Vorbereitung zu besuchen und Vorbereitungsspiele zu beobachten.»

Bleibt Michael Ballack auch in der WM-Saison der Kopf und Anführer der Mannschaft?

Löw: «Das ist er nach wie vor, absolut. Zumal wir relativ wenige erfahrene Nationalspieler haben. Michael Ballack, Miroslav Klose, Torsten Frings sind die Spieler, die schon einige Turniere gespielt haben. Dahinter kommen Spieler mittleren Alters, die beachtliche Fortschritte gemacht haben im fußballerischen Bereich und ihrer Persönlichkeit. Das sind Philipp Lahm, Per Mertesacker, Bastian Schweinsteiger. Sie werden die nächsten sein, die die Führung der Mannschaft übernehmen. Es hat mir gefallen, wie Lahm, Schweinsteiger oder Arne Friedrich auf der Asienreise die Verantwortung übernommen und junge Spieler geführt haben. Aber Michael Ballack ist mit seiner Erfahrung als Kapitän in der Hierarchie der Mannschaft weiterhin ganz oben, klar.»

Eine spannende Frage ist, wer der Partner an der Seite von Michael Ballack im zentralen Mittelfeld wird. Wie sieht es da aus?

Löw: «Das haben schon mehrere bei uns gespielt, auch zu unserer Zufriedenheit. Bei Torsten Frings muss man sehen. Er hatte in der letzten Saison wieder mit Verletzungen zu tun und kam daher erst am Ende besser in den Rhythmus. Mit der Entwicklung von Rolfes und Hitzlsperger bin ich zufrieden. Sie haben auch mit der Rolle als Kapitän in ihren Vereinen an Reife gewonnen. Beide sind technisch stark, können gute Pässe spielen, sind jung und entwicklungsfähig. Dazu kommt Khedira. Ich glaube nicht, dass wir im zentralen Mittelfeld irgendwelche Probleme bekommen werden.»

Haben Sie bei der U 21-Europameisterschaft Neues entdeckt?

Löw: «Etwas Neues nicht. Wir kennen die Stärken und Schwächen der Spieler, die schon bei uns waren. Einige haben viel Potenzial wie zum Beispiel Jerome Boateng oder Benedikt Höwedes. Sami Khedira steht ohnehin auf unserer Liste. Ich halte ihn für einen spielintelligenten Profi. Wann er den Schritt zu uns macht, muss man sehen. Ich könnte mir vorstellen, dass er in der neuen Saison beim VfB Stuttgart noch einmal einen großen Sprung nach vorne macht und bei der WM dabei sein kann.»

Welchen nächsten Schritt erwarten Sie von Mario Gomez beim FC Bayern München?

Löw: «Mario Gomez bringt alle Fähigkeiten mit, um international ein Top-Stürmer zu sein. Er hat auch zu mir gesagt, er brauche eine neue Herausforderung. In Stuttgart wusste er, dass er spielt. Er muss wieder den Konkurrenzkampf jeden Tag spüren. Bei Bayern München wird das gegeben sein. Ich kann mir gut vorstellen, dass er in München mit Louis van Gaal einen Trainer hat, der mit ihm plant. Bei Mario Gomez habe ich das Gefühl, dass er sich bei Bayern durchsetzen wird.»

Wie sehen Ihre eigenen Zukunftsplanungen aus? Ihr Vertrag endet nach der WM 2010.

Löw: «Das ist für mich aktuell überhaupt kein Thema. Erst einmal müssen wir die WM-Qualifikation schaffen, das wird schwer genug. Darauf liegt alle Konzentration in den nächsten Monaten. Dann gibt es vielleicht den richtigen Zeitpunkt, um über eine Vertragsverlängerung zu reden. Aber die Qualifikation ist das Allerwichtigste.»

Hat Sie der 3:0-Sieg der Russen Anfang Juni in Finnland mulmig werden lassen im Hinblick auf den Gruppensieg?

Löw: «Mulmig würde ich nicht unbedingt sagen. Ich hatte gehofft, dass die Russen in Helsinki vielleicht Punkte lassen. Deshalb war ich ein bisschen nachdenklich nach dem Spiel, aber die Russen sind eben auf Augenhöhe mit uns. Und an der Konstellation in unserer Qualifikations-Gruppe hat sich zunächst einmal nichts geändert. Dass es einen Kampf bis zum letzten Spieltag gibt, darauf waren wir eingestellt. Wichtig ist außerdem, dass wir uns weiterhin den Gruppensieg aus eigener Kraft sichern können. Bereits nach der EM im vergangenen Jahr war klar, dass wir die Russen nicht so einfach abschütteln werden. Sie haben Top-Spieler und in Guus Hiddink einen Top-Trainer, der international erfahren ist.»

Rudi Völler hat mit der Nationalmannschaft 2001 in die WM-Relegation gegen die Ukraine gehen müssen. Wie zuversichtlich sind Sie, dieser besonderen Drucksituation im kommenden Herbst zu entgehen?

Löw: «Nochmals: Wir haben es in der Hand, es aus eigener Kraft als Gruppen-Erster zu schaffen. Es ist aber nicht auszuschließen, dass in einer so starken Gruppe mit den Russen auch einmal eine Nation wie Deutschland in die Qualifikationsrunde der Gruppen-Zweiten muss. Das hätte einen hohen Stressfaktor für alle, das ist klar. Aber ich bin überzeugt, dass wir die WM-Qualifikation schaffen.»   

Interview: Klaus Bergmann, dpa
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Größter Streik auf den Baustellen der WM 2010

Letzte Änderung am Freitag, 10 Juli 2009 02:21 erstellt von admin Freitag, 10 Juli 2009 02:19

Am Mittwoch legten Bauarbeiter in den fünf Stadion-Neubauten die Arbeit nieder. 70.000 Arbeitnehmer streiken für Lohnerhöhungen von rund 13 Prozent streiken. Die Fifa und das Organisationskomitee der WM 2010 versuchen, gelassen zu bleiben. Dabei gefährdet jeder verlorene Tag den Zeitplan.

Die Dienstreise muss Jacob Zuma wie ein Kururlaub vorkommen. Bis Freitag nimmt der südafrikanische Präsident am G8-Gipfel im italienischen Abruzzenort L’Aquila teil, wo er zum ersten Mal die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel treffen wird. In der bewusst spartanischen Atmosphäre, mit der Italien den Fokus auf das Erdbebengebiet legen will, wirken die Probleme daheim weit entfernt.

Denn ausgerechnet während der bisher wichtigsten Dienstreise Zumas sieht sich seine erst vor wenigen Wochen gebildete Regierung ihrer bislang größten Bewährungsprobe ausgesetzt. Dem Land droht eine der größten Streikwellen seit dem Ende der Apartheid im Jahr 1994.

Am Mittwoch legten Bauarbeiter in fünf Stadionbaustellen für die WM 2010 ihre Arbeit nieder. Ebenfalls betroffen sind einige Infrastrukturprojekte, die mit der WM-Vorbereitung in Verbindung stehen. Insgesamt wollen 70.000 Arbeitnehmer der Baubranche für Lohnerhöhungen von rund 13 Prozent streiken. Die Arbeitgeberseite bietet 10,4 Prozent – doch wegen zusätzlich geforderten Bonuszahlungen und Sozialleistungen liegen beide Seiten um Welten auseinander. Der Streik werde „bis 2011“ weitergehen, drohte die zuständige Vertretung der Minenarbeiter. „Die Firmen brauchen keine Gnade von uns zu erwarten“, drohte ihr Sprecher Bhekani Ngcobo mit der Blockade von 35 WM-relevanten Baustellen.

Die letzten Wochen haben den Druck auf Zumas Regierungspartei African National Congress (ANC) steigen lassen. Vor den Bauarbeitern gingen Busfahrer, Ärzte und Arbeitnehmer des öffentlichen Dienstes in den Streik. Mit den Spielstätten der WM 2010, deren rechtzeitige Fertigstellung für Südafrika ein ungeheuer wichtiges Signal für Investoren ist, haben die Gewerkschaften nun zu ihrer stärksten Waffe gegriffen.

Selbst wenige Tage Verzögerung gefährden den ohnehin schwer einzuhaltenden offiziellen Übergabetermin der zehn WM-Stadien an die Fifa: Der war ursprünglich für den 15. Oktober geplant, Zielsetzung ist nun Ende des Jahres: am 14. Dezember. Zumindest das Stadion von Kapstadt wird dieses Datum Medienberichten zufolge überschreiten. Fünf Stadien werden für die WM erweitert und renoviert, wovon vier bereits fertig sind. Fünf Stadien werden komplett neu gebaut. Das in Port Elizabeth ist bereits vor einigen Wochen eröffnet worden, die anderen sind nach Angaben der Betreiber zu 70 bis 90 Prozent fertig gestellt.

Die Fifa übte sich am Mittwoch in Gelassenheit. „Wir erwarten, dass alle Stadion Ende des Dezember voll funktionsfähig sein werden“, teilte sie über einen Sprecher mit. Und auch Danny Jordaan, Chef des Lokalen Organisationskomitees (LOC), stimmte diplomatische Töne an: „Wir glauben, dass der Streik so schnell wie möglich gelöst werde und bleiben zuversichtlich, den Zeitplan einzuhalten.“ Das LOC respektiere das „in der Verfassung verankerte Recht“ zu streiken. Die Bauarbeiter seien das „Lebenselixier“ der WM 2010.

Doch die Gewerkschaften ignorieren die Bitten von Präsident Zuma um Zurückhaltung angesichts der ersten südafrikanischen Rezession seit 17 Jahren. Denn es geht um Grundsätzliches: Ungeduldig registrieren neben den Arbeitnehmervertretungen auch die kommunistische Partei Südafrikas (SACP) und die ANC-Jugendorganisation dass ihre Un-terstützung des 67-Jährigen auf dem Weg zur Präsidentschaft bislang nicht in dem erhofften Linksruck mündete.

In seinem Kabinett berücksichtigte Zuma den SACP-Vorsitzenden Blade Nzimande lediglich mit einem Ministerposten im Bildungsministerium. Vehement wehrte sich der ANC auch gegen Forderungen, den kriselnden Minensektor zu verstaatlichen. „Die aktuellen Spannungen werden die Beziehungen zwischen Zuma und den Gewerkschaften beeinflussen“, sagt der politische Analyst Steven Friedman. Zuma habe sich ebenfalls „mehr Unterstützung“ erhofft.

Ungewohnt unwirsch hatte der Politiker beim „Weltwirtschaftsforum Afrika“ in Kapstadt Anfang Juni festgestellt, dass die Gewerkschaften „mehr Möglichkeiten für mehr Streiks“ suchen würden.

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